Home
Schriften
Abd-ru-shins
Abd-ru-shin
Gedanken zur Gralsbotschaft
Weitere
Schriften
Kontakt
Bestellung
     

GEDANKEN ZUR GRALSBOTSCHAFT

Aufsatz 3




»Es soll erwecket werden alles Tote in der Schöpfung,
damit es sich richte!«

Dieser Ausspruch ist dem christlichen Gedankengut entlehnt. Abd-ru-shin greift ihn auf, um ihn »Im Lichte der Wahrheit« neu zu erläutern, woraus sich für den Leser, der ihm in seinen Ausführungen folgt, gerade im Hinblick auf die Epoche der Menschheitsgeschichte, in der wir uns heute befinden, eine neue, weiterführende Sichtweise entwickelt.

Der Ausspruch »Es soll erwecket werden alles Tote in der Schöpfung, damit es sich richte!« enthält den Gedanken des »Sich-Richtens«, welcher darauf verweist, daß der Mensch einer Art von Gerichtsbarkeit unterstellt sein muß, der er nicht ausweichen kann. In diesem Zusammenhang können auch Begriffe wie »Jüngstes Gericht« oder »Endgericht« angeführt werden, welche sich durch die Ausführungen Abd-ru-shins auf verständliche und nachvollziehbare Weise neu zuordnen lassen.

Das Richten oder, anders ausgedrückt, das Sich-Vollziehen des Gerichts ähnelt der Zeit einer Ernte, bei der die Entscheidung getroffen wird, welche Früchte gut sind und weiter bestehenbleiben dürfen, und welche Früchte schlecht sind und dadurch der Vernichtung anheimfallen müssen.

Am Anfang seines Vortrages »Es soll erwecket werden alles Tote in der Schöpfung, damit es sich richte!« weist Abd-ru-shin auf eine Sinnentstellung hin, wie sie in bezug auf das Verständnis des als »tot« Bezeichneten vielfach vorkommt. Die Erklärung, daß es hierbei nicht um die Auferweckung aller Toten, sondern um die Auferweckung alles Toten handelt, eröffnet im weiteren Verlauf der Gedankenentwicklungen ganz neue Schlußfolgerungen.

Was aber ist mit dem Begriff »alles Tote« konkret gemeint?

Hier ist es vorab für ein weiteres Verständnis vielleicht hilfreich, sich die Vorgänge beim Menschen ähnlich wie das Geschehen in der Natur vorzustellen: Überall in der Natur, bei allen Lebewesen, bei Pflanzen oder auch Landschaften – bei allen Körpern und Formen – finden wir etwas Vitales, etwas aktiv Lebendiges, aber auch Schlummerndes, das wie abgestorben wirkt.

Der Mensch selbst als Persönlichkeit gehört allerdings nicht zur Natur, er entstammt einer über der Natur liegenden Art, welche Abd-ru-shin in der Gralsbotschaft als »Geist« bezeichnet. In seiner Eigenschaft als Geist verfügt der Mensch über eine persönliche Willensfähigkeit, welche ihn zum Ausgangs-, und Sammelpunkt seiner eigenen Gedanken und Taten macht, wodurch er sich seine Persönlichkeit selbst prägt und formt.

Umhüllt ist dieser Geist mit einem Seelengewand, das einer Stoffart zugehört, welche in ihren Ausläufern die Natur bildet. Für seinen jeweiligen Erdenaufenthalt erhält er zusätzlich einen Erdenkörper, welcher ihm in der Zeitspanne zwischen Geburt und Tod als weitere Hülle und als Werkzeug dient, wobei erwähnt sei, daß die Gralsbotschaft von mehrfachen Wiederverkörperungen des Menschengeistes spricht, die er entsprechend seines persönlichen Dranges und der ihn umgebenden Gegebenheiten mehr oder weniger nutzt. Einwirkend auf die Natur und lernend durchwandert der Geist des Menschen die ihm gewährte Erdenzeit, und bei jedem einzelnen Erdenleben verändert, bereichert oder beeinträchtigt der Mensch sein Seelengewand, denn dieses verzeichnet alles, was von ihm ausging.

Der Geist des Menschen ist Leben. Dieses Leben durchstrahlt mit seiner lebendigen Kraft das Seelengewand und im weiteren den Erdenkörper. Wie alles Grobstoffliche unterliegt aber auch der Erdenkörper dem Gesetz des Reifens und Zerfallens der Materie, und so kommt zu gegebener Zeit der Augenblick, daß diese lebendige Strahlungsverbindung nachläßt und der Erdenkörper abstirbt. Der Geist in seinem Seelengewand jedoch, der sich dann wieder vom Körper lösen muß, besteht weiter, und in dieses Seelengewand hat sich, wie erwähnt, alles geistige Wollen des Menschen eingespeichert oder eingeprägt, es ist zu einem festen Bestandteil von ihm geworden. Vieles von dem Eingeprägten ist lebendig, weil es durch das Wollen des Geistes immer wieder betätigt und mit seiner Lebenskraft durchstrahlt wird. Manches jedoch bleibt unbetätigt und hängt wie tot an den Fasern des Seelengewandes – und dennoch ist es schlummernd vorhanden.

Viele Glaubenslehren berichten nun übereinstimmend von einem Zeitpunkt der Abrechnung, einem Zeitpunkt, an dem der Lebenskern – also der Geist des Menschen – Rechenschaft abzulegen hat über sein Tun und Wollen. Diese Abrechnung wird auch mit den Begriffen »Jüngstes Gericht« oder »Endgericht« bezeichnet. Wie aber ein solches Gericht sich vollziehen soll, darüber gibt es die unterschiedlichsten, mitunter rätselhaftesten und schauerlichsten Auffassungen.

Die Aussagen der Gralsbotschaft geben hierzu eine ganz eigene Erklärung:

Zum Zeitpunkt des Endgerichtes strömt eine besondere Strahlenkraft, die von Gott, dem Ursprung aller Dinge, ausgeht, auf das Seelengewand des Menschen ein. Durch diesen Vorgang gelangt das Seelengewand, das den Menschen als Produkt des Wollens und Handelns seines Geistes umgibt, in ein Kraftfeld, welches alles Vorhandene zum Tätigsein zwingt. Alles, was bis dahin schlummernd oder wie tot im Seelengewand des Menschen hing, muß nunmehr im Erdenleben, wo es einstmals erzeugt wurde, zur Betätigung gelangen und sich dadurch richten. „Richten“ bedeutet, daß der Erzeuger die Früchte seines Wollens zu genießen hat. Selbst wenn das einstige Wollen bereits in einem Erdenleben vor Tausenden von Jahren seinen Anfang genommen hat.

Wenn wir heute auf die Geschichte der Menschheit zurückblicken, so erkennen wir lange Zeiträume, in denen wir die Lebensverhältnisse aus heutiger Sicht nur noch als menschenunwürdig bezeichnen können und welche wir allzu gern als in der Vergangenheit begraben sehen möchten.

Ziehen wir aber in Betracht, daß wir nunmehr schon seit Jahrzehnten den Auswirkungen des Endgerichtes bzw. Jüngsten Gerichtes unterworfen sind, so darf es uns nicht verwundern, daß gerade heute all diese Dinge um uns herum wiederum aufgelebt sind, und daß so viel Haß, Niedertracht, Grausamkeit und all das andere Verwerfliche, von dem wir täglich hören, die Menschheit heimsucht.

Das Auferwecken alles Toten und das sich entsprechend in der Folge Richten-Müssen gibt dem Erzeuger den Lohn oder die Strafe, die er verdient, damit aber auch die Möglichkeit des Erkennens und des Sich-Befreiens vom Falschen, das noch in seinem Seelengewand hängt. Die Gesetze der Natur, die als Niederschlag des Schöpferwillens arbeiten, sind unbestechlich und können durch keine Macht der Welt beeinflußt werden.

Das Werk »Im Lichte der Wahrheit« schildert in bildhaften Abläufen den Willen des Schöpfers, dem sich auch der Mensch zu beugen hat, wenn er Frieden haben will. Erst wenn ein solcher wahrer Frieden von ihm ausgeht, ist es dem Geist des Menschen möglich, in seine geistige Heimat, das Paradies, zurückzukehren.

Siegfried Bernhardt



Hier nun der Vortrag aus dem Werk »Im Lichte der Wahrheit« – Gralsbotschaft – von Abd-ru-shin, Bd. I, Nr. 26:

Es soll erwecket werden alles Tote in der Schöpfung, damit es sich richte!

Jüngstes Gericht! Jede Verheißung, die damit zusammenhängt, kündet von Auferweckung aller Toten für das Endgericht. In den Begriff des Ausdruckes wurde von diesen Menschen aber wiederum ein Irrtum eingelegt; denn es soll nicht heißen: Auferweckung aller Toten, sondern Auferweckung alles Toten! Das ist: Belebung alles dessen, was ohne Bewegung in der Schöpfung ist, damit es für das Gottgericht lebendig werde, in der Betätigung erhöhet oder ausgerottet!

Nichts bleibet jetzt bewegungslos; denn die lebende Kraft, die jetzt verstärkt durch alle Schöpfung flutet, drängt und drückt, zwingt alles zur Bewegung. Darin wird es erstarken, auch das, was bisher ruhte oder schlummerte. Es wird erweckt, gekräftigt und muß damit sich betätigen, wird in erwachender Betätigung so gut wie an das Licht gezerrt, auch wenn es sich verbergen wollte. Man kann auch sagen, es kommt selbst ans Licht und muß sich zeigen, kann nicht weiterschlummern, wo immer es vorhanden ist. Mit volkstümlichen Worten: »Es kommt an den Tag!«

Alles wird Leben, Betätigung in dieser ganzen Schöpfung durch das neue Eindringen des Lichts! Das Licht zieht dabei machtvoll an … ob mit oder ob ohne Wollen des in dieser Schöpfung Ruhenden, sich vielleicht gar Versteckenden, und es kommt auch zuletzt mit diesem Lichte in Berührung, kann ihm nicht entrinnen, auch wenn es Flügel einer Morgenröte hätte, kein Ort in der gesamten Schöpfung kann ihm Schutz davor gewähren. Nichts bleibt unbeleuchtet.

In der Bewegung des Herangezogenwerdens aber muß an diesem Licht zerschellen und verbrennen, was die Strahlung nicht verträgt, was also nicht in sich schon selbst nach diesem Lichte strebt. Lichteingestelltes aber wird erblühen und erstarken in der Reinheit seines Wollens!

So ist es auch mit allen Eigenschaften dieser Erdenmenschenseelen. Was bisher darin tot zu ruhen schien, was schlummerte, den Menschen selbst oft unbekannt, es wird unter der Kraft erwachen und erstarken, wird zum Gedanken und zur Tat, damit es sich nach seiner Art in der Betätigung selbst richte an dem Licht! Bedenkt, es kommt zum Leben, was auch in Euch ruht! Darin liegt Auferweckung alles Toten! Lebendiges Gericht! Jüngstes Gericht!

Ihr müßt dabei mit allem in Euch fertig werden, müßt Euch reinigen, oder Ihr zergehet mit dem Übel, wenn es übermächtig in Euch werden kann. Dann hält es Euch, schlägt über Eurem Kopfe mit schäumendem Aufzischen zusammen, um Euch mitzuzerren in den Abgrund der Zersetzung; denn es kann nicht weiterhin bestehen in dem Glanz göttlicher Kraft! – –

Euch gab ich nun das Wort, das den Weg zeigt, der Euch in dem Erwachen dieser Schöpfung unbeirrbar nach den lichten Höhen führt, der Euch nicht stürzen läßt, was immer auch geschieht und in Euch aufzuflammen sucht! Habt Ihr den Blick in treuer Überzeugung nach dem Licht gerichtet, habt Ihr mein Wort richtig erfaßt, in Euren Seelen aufgenommen, so steigt Ihr ruhig aufwärts aus den Wirren, gereinigt und geläutert, frei von allem, was Euch einstens hätte hindern können an dem Eintritt in das Paradies.

Wachet und betet deshalb, daß Ihr nicht den klaren Blick Euch trüben laßt durch Eitelkeit und Dünkel, als die ärgsten Fallstricke für diese Erdenmenschen! Wahret Euch! Wie Ihr den Boden in Euch nun bereitet habt, so wird es Euch geschehen in der Schöpfungsreinigung!
Abd-ru-shin


  
  Impressum

Espace


Logo